Zeitreise per Karte
Das Schmettausche Kartenwerk für Brandenburg
- Erschienen amWer Brandenburg heute erkundet, braucht weder Pferdekutsche noch Archivräume. Ein Klick genügt – und schon öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit. Während Reisende um 1700 für die Strecke von Wittstock nach Berlin mit der Postkutsche noch rund 24 Stunden unterwegs waren, lassen sich historische Landschaften heute digital in wenigen Sekunden entdecken. Karten werden so zu echten Zeitmaschinen.
Eine besondere Grundlage dafür bietet das Schmettausche Kartenwerk. Als Meilenstein der historischen Kartographie markiert es den Beginn systematischer Landesvermessung in Brandenburg. Die LGB hat die 37 Sektionen, die das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg abbilden, reproduziert und digital zugänglich gemacht. Damit lassen sich Fragen wie „Wie sah die Region um Wittstock vor mehr als 250 Jahren aus?“ direkt am Bildschirm beantworten – detailreich, nachvollziehbar und anschaulich.
Historisches Kulturgut auf 270 Blättern
Zwischen 1767 und 1787 entstand das Werk im Maßstab 1:50.000 unter maßgeblicher Mitwirkung von Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau. Der preußische Offizier und Kartograph schuf ein detailliertes, harmonisches Abbild der Territorien östlich der Weser – teils aus eigenen Aufnahmen, teils aus bereits vorhandenen Karten. Obwohl das Werk keine astronomisch-geodätische Grundlage hatte, gilt es als Höhepunkt der voramtlichen preußischen Kartographie.
Insgesamt umfasst das Kartenwerk 270 handgezeichnete Blätter. Die wertvollen Originale werden heute in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz aufbewahrt und zählen zu den bedeutenden kartographischen Kulturgütern Preußens.
Von Unikaten zu digitalen Karten
Was einst ausschließlich für militärische Zwecke diente und später Spezialistinnen und Spezialisten in Archiven vorbehalten war, ist heute frei zugänglich: Die historischen Blätter wurden digitalisiert, georeferenziert und blattschnittfrei aufbereitet. Über den GEOBROKER können sie kostenfrei heruntergeladen werden.
Damit wird historische Kartographie nicht nur für Forschung und Lehre nutzbar, sondern auch für Kommunen, Planungsbüros, Schulen oder Geschichtsinteressierte. Die Vergangenheit lässt sich so direkt mit aktuellen Geodaten vergleichen – am Bildschirm, interaktiv und ortsgenau.
Historische Forschung neu erleben
Wer sich auf die historischen Karten einlässt, entdeckt schnell, wie stark sich Landschaften im Laufe der Jahrhunderte verändert haben – und welche Strukturen erstaunlich konstant geblieben sind.
- Wie haben sich Siedlungen, Straßen oder Flüsse über die Jahrhunderte verändert?
- Welche historischen Flur- und Landschaftsstrukturen prägen noch heute das Bild der Region?
- Welche Orte, die heute kaum bekannt sind, tauchen in den alten Karten auf?
Mit den Digitalisaten lässt sich Geschichte sichtbar machen – und das nicht nur im Archiv, sondern direkt am Bildschirm. Besonders spannend wird die Zeitreise im BRANDENBURGVIEWER: Mit dem integrierten Time Slider lassen sich historische Karten mit aktuellen Darstellungen überblenden und unmittelbar vergleichen. So wird auf einen Blick sichtbar, wie sich Orte, Landschaften und Verkehrswege im Laufe der Jahrhunderte verändert haben – eine visuelle Spurensuche durch die Geschichte Brandenburgs.
Mehr als historische Karten
Mit der Reproduktion des Schmettauschen Kartenwerks macht die LGB ein bedeutendes kartographisches Kulturgut einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Karten eröffnen neue Perspektiven auf die Entwicklung Brandenburgs und liefern wertvolle Grundlagen für Forschung, Bildung und regionale Identität.
Denn historische Karten sind weit mehr als Papier oder Daten: Sie erzählen Geschichten von Landschaften, Menschen und Veränderungen – und zeigen, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.
